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News / Presse
Unternehmen informieren zu wenig über ihre Ratings.

Handelsblatt (Nr. 148, 03.08.2006, Düsseldorf)
Gläubiger und Aktionäre finden in Geschäftsberichten wenig Hinweise auf die Kreditwürdigkeit.


Düsseldorf, 3. August 2006
– Trotz ihrer großen Aussagekraft für Anleger und Gläubiger spielen die Bonitätsnoten von Ratingagenturen in den Geschäftsbereichen deutscher Unternehmen keine große Rolle. Zu diesem Schluss kommt die auf Kapitalmarktkommunikation spezilaisierte Unternehmensberatung CAT-Consultants in einer Studie. Die Hamburger haben die Geschäftsberichte von 115 Firmen – darunter alle Konzerne aus den Spitzensegmenten Dax und MDax – untersucht. Außerdem wertete CAT die Berichte von 35 großen nicht börsennotierten Firmen aus.

Von den 115 untersuchten Unternehmen haben nur 53 ihre Kreditwürdigkeit von mindestens einer der drei großen Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch bewerten lassen. Und auch sie liefern den Anlegern oft wenig Informationen: „Wenn die Unternehmen ihre Ratingbeurteilung nennen, geschieht dies meistens ohne weiter gehende Kommentierung“, sagt Thilo Tern, Geschäftsführer bei CAT. Positive Beispiele für eine ausführliche Ratingerläuterung seien im Dax Daimler-Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Münchener Rück und RWE. Im MDAX tun sich Tern zufolge Hannover Rück, Deutsche Postbank und Fresenius durch eine ausführlichere Ratingberichterstattung hervor. Bei den nicht notieren Firmen überzeuge vor allem die Ratingberichterstattung der VW Bank.

Ratingagenturen beurteilen die Kreditwürdigkeit von Schuldnern. Dabei spielen die harten Zahlen sowie die Meinung der Agenturen über das Umfeld und das Management eine Rolle. Auf die Bonität eines Unternehmens schauen vor allem die Gläubiger, also Banken und Käufer von Anleihen. „Doch auch für Aktionäre ist das Rating eine wertvolle Information, weil es Auskunft über die Nachhaltigkeit, die Ertragskraft und die Insolvenzgefahr bei einem Unternehmen gibt“, sagt Peter Worel, Aktienstratege bei der Bayern LB.

Für professionelle Investoren und Analysten ist es dagegen nicht unbedingt nötig, aus dem Geschäftsbericht viel über die Ratings zu erfahren. Sie bekommen die Informationen von den Ratingagenturen selbst, außerdem gibt es für Profi-Anleger Informationsdienste wie Bloomberg oder Reuters. „Mehr über Ratings im Geschäftsbericht zu erfahren, könnte aber zum Beispiel für Privatanleger und Zulieferer der jeweiligen Firmen interessant sein“, sagt Bernhard Jeggle, der bei der Landesbank Baden-Württemberg das Research für Unternehmensleihen leitet.

Spannend für die Gläubiger sei auch, wie Firmen zum eigenen Rating stehen; also ob sie die Bonitätsnote halten oder verbessern wollen beziehungsweise ob sie zum Beispiel für eine Akquisition ein schlechteres Rating in Kauf nehmen würden. „Das erfahren wir aber nicht aus dem Geschäftsbericht mit den Unternehmen“, sagt Jeggle.

14 Sep 2006 CAT