Lackierte Geschäftsberichte.Handelsblatt (Nr. 179 15./16./17. September 2006, Düsseldorf)
Im internationalen Schönheitswettbewerb der Jahres-reports schneiden deutsche Unternehmen glänzend ab.
Düsseldorf, 15./16./17. September 2006 – Früher war die Lektüre eher Strafe als Vergnügen – und das Zahlenwerk alles andere als ein Augenschmaus. Doch inzwischen sind die dürren Geschäftsberichte aufgehübscht – und treten in Schönheitswettbewerben international an. Die deutschen Teilnehmer brauchen sich dabei nicht zu verstecken: Unter den 20 besten Geschäftsberichten, die die League of American Communication Professionals (LACP) bei der diesjährigen Verleihung ihres „Vision Awards“ auszeichnete, wurden allein zehn in Deutschland konzipiert, getextet und gestaltet. Mit Heidelberger Druckmaschinen, Fresenius Medical Care und D. Logistiks stehen gleich drei Deutsche an der Spitze von 1900 Unternehmen weltweit, die ihre Berichte den PR-Experten vorlegten.
„Dass die Deutschen so erfolgreich sind, hat uns gewundert“, gibt Friedmar Nusch, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Heideldruck, offen zu. Die Heidelberger haben bereits früher einige Preise eingesammelt, so eine Auszeichnung des Deutschen Designer Clubs. Die US-Jury bewertete eingereichte Geschäftsberichte aus 16 Ländern in Kategorien wie erster Eindruck, Titelseite, Vorwort des Vorstandschefs, Lagebericht, Darstellungsform oder Kreativität. Die Heidelberger haben bei der Gestaltung einen Vorteil. „Wir stellen die Druckmaschinen für solche Publikationen selbst her. Also zeigen wir auch, was wir können“, meint Nusch. So ist es schon ein Erlebnis, die Berichte anzufassen, die mit modernen Lacken bedruckt sind.
Vor allem aber inhaltlich haben die Verfasser dazugelernt. „Viele Geschäftsberichte in Deutschland haben heute auch jenseits der Zahlenteile hohen Informationsgehalt“, beobachtet Bernd Maczeyzik, Chef der auf Investor-Relations spezialisierten Beratung CAT Consultants. „Es gelingt ihnen immer besser, Chancen und Risiken darzustellen oder den Ausblick aufs künftige Geschäft zu beschreiben.“ Nusch ergänzt: „Die Diskussionen der vergangenen fünf Jahre über Corporate Compliance, gesetzmäßiges und verantwortungsvolles Handeln der Unternehmen, haben auch bei denen Spuren hinterlassen, die Geschäftsberichte gestalten.“
Nicht nur die Großen haben erkannt, wie wichtig präsentable Jahresberichte sind. Wie zum Beispiel die Ludwigshafener Pfalzwerke. Für Werner Hitschler, der im Vorstand des Energieerzeugers für den Bericht verantwortlich ist, ist dieser zugleich eine Imagebroschüre für Banken, Mitarbeiter und Kunden. „Das bedeutet intern Mehraufwand und kostet auch Geld, aber wir können uns damit optimal bei Banken, in der Politik oder bei industriellen Großkunden vorstellen“, sagt Hitschler. Er wurde übrigens durch einen Handelsblatt-Artikel angeregt, sich bei der US-Jury zu bewerben. Mit Erfolg: Die Pfalzwerke schafften es unter die Top Ten.
26 Sep 2006 CAT