Geschäftsberichte von Familienunternehmen – wozu?
GoingPublic, Sonderbeilage Geschäftsberichte & Trends 2008/2009 (10/2008, Wolfratshausen)
Ergebnisse einer Untersuchung von CAT Consultants GmbH & Co.
Noch halten sich die deutschen Familienunternehmen bedeckt: Wie eine Untersuchung der CAT Consultants zeigt, veröffentlicht nur ein Bruchteil von ihnen einen Geschäftsbericht. Mit dem 2007 neu geschaffenen Gesetz über elektronische Handelsregister und Unternehmensregister (EHUG), das verlangt, die Unternehmenszahlen im Internet allgemein zur Verfügung zu stellen, könnte sich jedoch ein Trend zu neuer Offenheit ergeben.
Bisher noch keine Freude an der Publizierung von Finanzzahlen
CAT Consultants haben in ihrer Untersuchung von insgesamt 254 deutschen Familiengesellschaften festgestellt, dass nur 22,9 % der nicht-börsennotierten Gesellschaften einen Geschäftsbericht veröffentlichen. Beschränkt man sich jedoch auf die Auswertung der auch international bedeutenden Unternehmen mit Umsätzen oberhalb von einer Milliarde Euro, so verbessert sich das Bild: Immerhin haben von 88 nicht-börsennotierten deutschen Familienunternehmen 39 (44,3%) einen Geschäftsbericht vorgelegt. 72 dieser „stillen Riesen“ publizieren Basisinformationen über ihre Finanzen auf ihrer Unternehmens-Website. Bei Familienunternehmen kleiner und mittlerer Größe in der Umsatzgrößenordnung von 90 bis 120 Millionen Euro ist die Veröffentlichung von Finanzdaten dagegen eine ausgesprochene Ausnahme. Ein einziges Unternehmen dieser Größe bietet einen Geschäftsbericht und nur 16 trauen sich, auf ihrer Website Informationen zu ihrer finanziellen Lage zu geben.
Die Argumente gegen ein Veröffentlichung der Finanzlage wiegen offensichtlich schwer.
_ Der Kosten- und Zeitaufwand wird lieber in die Marktbearbeitung gesteckt;
_ Wettbewerber, Lieferanten und auch Kunden sollten nicht noch schlauer gemacht und Ziele nicht festgeschrieben werden;
_ Finanzinformationen sollten nicht in die Hände ungeliebter Finanzmarktakteure gelangen;
_ Es sollten keine Einblicke in die persönliche Einkommenslage von Gesellschaftern und Geschäftsführern gegeben werden.
Dies sind nur einige der wichtigsten, immer wieder zu hörenden Argumente.
EHUG gibt Anstoß zum UmdenkenTrotz der bekannten, historisch gewachsenen Aversion in Familienunternehmen gegen allzu offene Finanzinformationen, zeigt sich aktuell ein Trend zur Öffnung; immer mehr erfolgreiche Mittelstandsunternehmen folgen dem Beispiel ihrer börsennotierten Wettbewerber und beginnen, sich den Themen Finanzkommunikation und Geschäftsbericht nunmehr ernsthaft zu nähern.
Neben einer, den Medien und der Kommunikation gegenüber aufgeschlossenen neuen Unternehmergeneration hat offenbar das 2007 in Kraft getretene Gesetz über das elektronische Unternehmensregister, kurz EHUG, den Anstoß gegeben. Wenn nämlich die allgemeine Verfügbarkeit von Finanzinformationen nicht zu umgehen ist, bietet der Geschäftsbericht den Weg nach vorn und gleichzeitig die Chance zur imagebildenden Darstellung des Unternehmens auf dem Finanzmarkt.
Finanzkommunikation verbessert das Standing des UnternehmensDurch den Geschäftsbericht wird das Unternehmen erst ernsthaft wahrgenommen. Die dokumentierte Bereitschaft zur Transparenz erleichtert Finanzierungsgespräche und senkt im Zweifel auch die Kapitalkosten. Dafür sorgen auch die Ratingmodelle der Banken, die die Transparenz der Finanzberichterstattung als einen Faktor berücksichtigen.
Nicht zu vernachlässigen sind die Nebeneffekte, die sich bei Kunden, Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit zeigen. Wie verlässlich ist der Geschäftspartner? Wie sicher sind die Arbeitsplätze? Nimmt das Unternehmen seine Corporate Citizenship ernst? Der Geschäftsbericht, der auf derartige Fragen eingeht, zwingt seine Autoren zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Kern des Unternehmens. Er entwickelt sich so zu einem Basisinstrument, mit dem eine einheitliche Sprache gefunden wird. Allein darin ist schon ein Nutzen zu sehen.
FazitDie Frage „Wozu ein Geschäftsbericht?“ wandelt sich schon heute immer mehr zur Frage „Welche Inhalte wollen wir in unserem Geschäftsbericht bieten?“ Je mehr Antworten er gibt, je allgemeinverständlicher und „attraktiver“ diese vermittelt werden, umso erfolgreicher ist seine Wirkung für das Unternehmen.
In der heute deutlich gestiegenen Nachfrage von Familienunternehmen nach Beratungsleistungen auf dem Gebiet der Finanzkommunikation sieht CAT Consultants einen Hinweis, dass man sich hinter den Kulissen bereits intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzt.
Finanzkommunikation in Familienunternehmen – alles eine Frage der Größe
Studienergebnisse