Fondsmanager wollen mehr Nachhaltigkeit in den Berichten.Handelsblatt (Nr. 90, 10.05.2007, Düsseldorf)
Analyse der Unternehmensinformationen legt Informationsdefizite bloß.
Susanne Bergius, Berlin, 10. Mai 2007 – Für Kapitalanlagegesellschaften hat das Thema Nachhaltigkeit von Unternehmen große Bedeutung. Das ergab eine dem Handelsblatt vorliegende Befragung der 98 größten Fondsgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Umfrage brachten die Finanzkommunikationsagenturen CAT Consultants sowie Wolff & Häcker Finanzconsulting AG (WHF) auf den Weg, nachdem ihnen immer mehr Manager sagten, Investoren wünschten öko-soziale Informationen.
„Kunden fragen zunehmend, wie sie Nachhaltigkeit in die Geschäftsberichte integrieren können – selbst dann, wenn sie dem Thema noch reserviert gegenüber stehen“, berichtet Hendrik Wolff, Geschäftsführer von WHF. Dieses Interesse erkläre sich dadurch, dass sich die Aktionärsstruktur zugunsten ausländischer Institutioneller verschoben habe, die sich schon seit Jahren für Nachhaltigkeit interessierten.
Die erste Studie für Deutschland über das Informationsbedürfnis von Investoren und das Informationsangebot seitens der Unternehmen offenbart eine beträchtliche Informationslücke. Mehr als ein Viertel der befragten Häuser antworteten, darunter Allianz, Deka, DWS und Union. Sie decken den Angaben zufolge etwa die Hälfte des Fondsvolumens im deutschsprachigen Raum ab.
Fast 90 Prozent der antwortenden Banker meinen, nachhaltiges Wirtschaften bewirke ein günstigeres Chance-Risiko-Verhältnis für ihre Investition. Zudem sei das Management von Unternehmen mit ausgeprägter Nachhaltigkeitsarbeit glaubwürdiger. Den meisten Fondsmanagern ist die Umweltberichterstattung ausgesprochen wichtig, einem Drittel auch soziale Themen. Für ein Viertel der Fondsmanager spielt Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen inzwischen eine sehr wichtige, für weitere 44 Prozent eine eher wichtige Rolle. Fast zwei Drittel der Befragten erwarten, dass der Anteil nachhaltiger Geldanlagen am gesamten Kapitalmarkt in fünf Jahren von derzeit unter fünf auf bis zu 20 Prozent steigen wird.
Die Agenturen analysierten die Nachhaltigkeitsberichterstattung von 122 großen und mittleren deutschen Unternehmen. „93 Prozent der Dax-30-Konzerne bieten Nachhaltigkeitsberichte oder Internetseiten, aber weniger als die Hälfte der M-Dax- und nicht börsennotierten Firmen tut das“, sagt Thilo Tern, Partner von Cat Consultants. Und hierunter gebe es auch viele proforma-Berichte. „Ernsthafte Berichte enthalten Informationen aus allen Firmenbereichen. Dafür müssen eine Nachhaltigkeitsorganisation aufgebaut und klare Ziele benannt werden. Fundierte, ehrliche und aktuelle Berichte sind vertrauensbildend.“ Von den sechs von Investoren als bedeutsam erachteten Themen würde nur über „Maßnahmen zum Klimaschutz“ und „Umgang mit knappen Ressourcen“ intensiv berichtet, stellt die Studie fest. Mit großem Abstand folge ein „familienfreundliches Arbeitsumfeld“. Soziales und Mitarbeiter werden extrem oberflächlich behandelt, urteilt Wolff. Korruptionsbekämpfung, Rüstungsgeschäfte und das Geschlechterverhältnis würden kaum erwähnt.
Selten seien Wirtschaftsbelange integriert und wenn, so nicht aus einer übergreifenden, langfristigen Perspektive. Ähnliches ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2005. Die Fondsmanager und Analysten stuften meist den Nachhaltigkeitsbericht von Henkel als hervorragend ein. Er überzeuge mit konkreten Zahlen und Zielen und selbstkritischer Offenheit für alle drei Nachhaltigkeitsbereiche Ökologie, Soziales und Ökonomie. Positive Beispiele seien auch Adidas, BMW, Münchener Rück, Unilever, Volkswagen, Deutsche Telekom, EVN, die HVB Gruppe, Intel, Natura Cosmeticos und die Rabobank. Zu den zehn besonders umfangreich kommunizierenden Unternehmen zählen laut Thilo Tern Bayer, BMW, Deutsche Lufthansa und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Bankengruppe). Nachdem BASF schon länger Geschäfts-, Umwelt- und Sozialbericht integriert, erweitern nun andere Unternehmen ihre Geschäftsberichte um Nachhaltigkeitsthemen, so auch E.on, RWE und Volkswagen. Zehn der 122 untersuchten Unternehmen berichten gar nicht oder kaum über Nachhaltigkeit. „Das sind vor allem Finanz- und Immobilienunternehmen, aber auch Hugo Boss oder Klöckner & Co“, sagt Tern.
11 May 2007 CAT