
Finanzmarkt-Trendmonitor II/2008, September-Oktober 2008, Hamburg
Ergebnisse der Trendumfrage bei deutschen IR-Abteilungen und -Agenturen.
IR-Manager, die einen Plan für Krisenkommunikation in der Tasche haben, sind gerade in Zeiten der Finanzkrise gut gewappnet. Allerdings ist fast jede dritte IR-Abteilung kaum oder gar nicht auf die Kommunikation im Krisenfall vorbereitet. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Finanzmarkt-Trendmonitors von euro adhoc, Faktenkontor, CAT Consultants und dem Handelsblatt.
Laut jüngstem Finanzmarkt-Trendmonitor sind viele IR-Fachleute nicht genügend auf Krisenfälle vorbereitet:
So gibt jede vierte IR-Abteilung an, kaum auf Krisenfälle eingestimmt zu sein. Rund drei Prozent der IR-Fachkräfte sind sogar überhaupt nicht auf solche Situationen vorbereitet. Besonders kleine börsennotierte Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern haben Nachholbedarf: Hier gibt sogar gut jeder Zehnte an, gar nicht auf Krisensituationen eingestellt zu sein.
Gleichzeitig sagen aber auch 71 Prozent der Mitarbeiter aus IR-Abteilungen, dass sie gut oder sehr gut auf Krisenfälle vorbereitet sind. Für IR-Verantwortliche ist in Krisensituationen das direkte Gespräch mit den Anlegern von besonderer Bedeutung. Drei Viertel der befragten Finanzmarktexperten aus den Unternehmen schätzen diese als wichtigste Zielgruppe ein. An zweiter Stelle folgen weit abgeschlagen die Wirtschaftsredaktionen, die nur gut jede zehnte (11 Prozent) IR-Abteilung als bedeutendste Ansprechpartner im Krisenfall ansieht.
Die Berichterstattung so genannter „Non-Financials“ ist ein Thema, das in der IR-Branche eine immer wichtigere Rolle spielt. Die nicht finanziellen Themen haben inzwischen einen maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmenswert von Aktiengesellschaften. Aber was sind die wichtigsten „Non-Financials“ aus Sicht der IR-Abteilungen überhaupt? Den Bereichen „Neue Produkte“, „Kundenzufriedenheit“ und „Nachhaltigkeit“ werden von IR-Fachleuten am meisten Bedeutung zugesprochen. Erst danach folgen Themen wie „Umweltschutz“, „Mitarbeiterförderung“, „Anzahl der Patente“ oder „Soziales Engagement“. 
Noch ist nicht absehbar, ob die Finanzkrise zu insgesamt höheren Ausgaben für die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt in diesem Jahr führen wird. Für 2008 gehen 61 Prozent der IR-Abteilungen lediglich von einem etwa gleich bleibenden Budget aus. Gleichzeitig hat nicht einmal jedes zehnte börsennotierte Unternehmen (8 Prozent) seine IR-Ausgaben in diesem Jahr gekürzt. Andererseits vermeldet rund jeder achte Befragte aus IR-Abteilungen einen Zuwachs des Budgets von mehr als 10 Prozent.
Weitere Ergebnisse der Umfrage:
KOMMUNIKATIONSBOTSCHAFTEN:
Fast die Hälfte der Befragten in IR-Abteilungen (48 Prozent) hat noch keine genauere Planung, wie sie das Thema Nachhaltigkeit bzw. Corporate Social Responsability (CSR) im nächsten Geschäftsbericht behandelt. Gleichzeitig sind über 40 Prozent der Fachkräfte aus diesem Bereich der Ansicht, dass Themen aus dem Gebiet Nachhaltigkeit und CSR eine hohe bis sehr hohe Bedeutung für die Stakeholder haben. Die derzeitige Krise am Finanzmarkt wird erstaunlicherweise von über der Hälfte der IR-Abteilungen nur in geringem Maße thematisiert. Für gut jedes vierte Unternehmen bleibt trotz der Veränderungen auf dem Markt sogar alles beim Alten.
AKTIONÄRSENTWICKLUNG:
Mit rund 52 Prozent überwiegen Institutionelle Investoren als Aktionäre der Unternehmen. Sie haben als Anteilseigner in den letzten fünf Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Befragung belegt einen spürbaren Bedeutungszuwachs der Aktiven Institutionellen Investoren – der Anteil der Unternehmen ohne deren Engagement betrug vor fünf Jahren noch etwa 37 Prozent, über 20 Prozentpunkte mehr als heute. Die Entwicklung deutet aus
Sicht der befragten IR-Experten klar darauf hin, dass sich die Bedeutung und die Volumina der Aktienpakete dieser Anteilseigner innerhalb der nächsten fünf Jahre noch weiter steigern werden.
Die Befragung zeigt gleichzeitig ein sehr fortschrittliches Bild hinsichtlich der Aktien im Besitz des Managements. Diese Gruppe hält im Durchschnitt 15 Prozent der Aktien bei den
befragten Unternehmen. Private Investoren sind im Schnitt zu gut 35 Prozent an börsennotierten Gesellschaften beteiligt.