
Finanzmarkt-Trendmonitor II/2008, April 2009, Hamburg
Ergebnisse der Trendumfrage bei deutschen IR-Abteilungen und -Agenturen.
Sechs von zehn Investor-Relations-Manager vergeben schlechte Noten 62 Prozent der Investor-Relations-Manager börsennotierter Unternehmen erwarten so gut wie keinen Einfluss des Konjunkturprogramms der Bundesregierung auf die Finanz- und Ertragslage ihres Hauses. Das ist das Ergebnis des aktuellen Finanzmarkt-Trendmonitors, der regelmäßig von news aktuell, CAT Consultants, Handelsblatt und Faktenkontor erhoben wird. Damit weicht die Einschätzung der Unternehmen deutlich von der Bevölkerungsmeinung ab: Mehr als 60 Prozent der Bundesbürger finden die Krisenstrategie der Politik richtig. In den Unternehmen geht dagegen nur knapp jeder dritte Befragte davon aus, dass die politischen Maßnahmen sich positiv auf die finanzielle Situation des eigenen Betriebes auswirken. In Anbetracht der milliardenschweren Investitionen sind das ernüchternde Aussichten: Allein die Konjunkturpakete I und II kosten die Steuerzahler bislang 80 Milliarden Euro. Vor allem die IR-Experten aus mittelständischen Unternehmen erhoffen sich wenig von dem Rettungsprogramm: Der Anteil der positiv eingestellten Befragten liegt hier zehn Prozentpunkte unter dem der Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeitern. Dabei ist der Mittelstand eine besonders wichtige Säule der deutschen Wirtschaft. Immerhin sind gut 70 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande in mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Aufgrund der geringen Erwartungen an die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung ergreift die Mehrzahl der Unternehmen eigenständige Maßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Situation. Weit oben stehen dabei Kostensenkungsprogramme: Sieben von zehn der befragten Investor-Relations-Manager rechnen in Kürze mit zum Teil drastischen Einsparungen in ihren Betrieben. Der Finanzmarkt-Trendmonitor stellt die Ergebnisse einer Online-Befragung dar, die news aktuell, CAT Consultants, Handelsblatt und Faktenkontor regelmäßig durchführen. Untersuchungsschwerpunkt sind dabei aktuelle Tendenzen und Entwicklungen in der Finanzmarkt-Branche. Insgesamt wurden dafür 183 Fach- und Führungskräfte aus IR-Abteilungen und IR-Agenturen befragt.
Stagnierende Budgets und Honorare
Für das Jahr 2009 erwartet die überwiegende Zahl der Befragten aus IR-Abteilungen (58 Prozent) und aus IR-Agenturen (57 Prozent) lediglich gleichbleibende Budgets bzw. Honorare. Besonders bei größeren Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern rechnet man zu fast 80 Prozent mit stagnierenden Budgets. 19 Prozent der Befragten aus IR-Abteilungen erwarten sogar Budgetkürzungen um bis zu 10 Prozent.
Rund ein Fünftel der Befragten aus IR-Agenturen sieht für das Jahr 2009 recht schwarz und rechnet mit Umsatzrückgängen um mehr als 10 Prozent. Vergleicht man die aktuellen Budgeterwartungen aus IR-Abteilungen mit den Angaben aus dem Vorjahr, so wird deutlich, dass der Optimismus hinsichtlich steigender Budgets deutlich gesunken und die Erwartung gekürzter Budgets deutlich gestiegen ist.
Trotz Finanzmarktkrise kaum Refinanzierungsprobleme
Refinanzierungsprobleme sehen die Befragten aus IR-Abteilungen überwiegend gar nicht oder kaum (74 Prozent). Nur kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern leiden unter Refinanzierungsschwierigkeiten – zu 35 Prozent teilweise und zu 12 Prozent sogar stark. In den IR-Agenturen wird die Refinanzierung eher kritisch gesehen – hier geben insgesamt 71 Prozent der Befragten an, dass Kunden teilweise oder stark unter den Folgen der Finanzmarktkrise im Hinblick auf die Refinanzierung leiden. Nur 23 Prozent der IR-Abteilungen teilen diese Meinung.
Ein Viertel der Unternehmen rechnet mit (sehr) hohen Verlusten
Ergebnisoptimisten sind rar geworden. Die Gewinnerwartungen für die jeweilige Branche sind denkbar schlecht. Es wird allgemein mit deutlichen Rückgängen der Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Von den IR-Abteilungen erwarten immerhin 25 Prozent Gewinneinbrüche mit hohen oder sehr hohen Verlusten. Ein Fünftel der Befragten aus IR-Abteilungen sieht Rückgänge mit leichten Verlusten. Besonders in der Finanzmetropole Rhein-Main rechnen 36 Prozent mit Einbrüchen mit hohen Verlusten, 14 Prozent erwarten sogar sehr hohe Einbußen.
Politische Maßnahmen zur Krisenbewältigung bleiben wirkungslos
Die politischen Maßnahmen zur Krisenbewältigung (SoFFin, Konjunkturpaket) werden die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage der Unternehmen kaum beeinflussen. Dies gaben fast 60 Prozent der IR-Abteilungen und der IR-Agenturen an. Ein Viertel der Befragten aus IR-Abteilungen und 30 Prozent der Befragten aus IR-Agenturen sehen immerhin leicht positiven Einfluss.
Unternehmen halten zu ihren Banken
Auch in der Finanzmarktkrise bleiben die Unternehmen ihren Banken treu: Über 60 Prozent aller Befragten geben an, den Kreis der Kreditinstitute, mit denen sie zusammenarbeiten, nicht zu ändern. Unternehmen
mit 50 bis 200 Mitarbeitern versuchen hingegen zu 36 Prozent, das Risiko zu streuen, indem sie ihren Bankenkreis vergrößern. Überdurchschnittlich viele Befragte (79 Prozent) aus dem Gebiet Rhein-Main haben nicht vor, ihre Banken zu wechseln.
Kostensenkungsprogramme auf dem Vormarsch
Kostensenkungsprogramme sind allgegenwärtig: 73 Prozent der IR-Abteilungen und 65 Prozent der IR-Agenturen erwarten Programme zur Reduzierung der Kosten in ihrem Unternehmen.
IR-Agenturen erwarten „Effizienzmaßnahmen“ im Kommunikationsbereich
In den IR-Abteilungen ist man sich unschlüssig: 47 Prozent der Befragten erwarten „Effizienzmaßnahmen“ bei der Kommunikationsarbeit, fast genauso viele erwarten dies nicht. Hingegen ist man sich auf Agenturenseite einig: Fast 90 Prozent der IR-Agenturen rechnen mit derartigen „Effizienzmaßnahmen“.
Kredite als wesentliche Refinanzierungsquelle
IR-Abteilungen und IR-Agenturen sehen zu jeweils 40 bzw. 54 Prozent Kredite als wesentliche Refinanzierungsquelle. Gerade für Kunden der IR-Agenturen sind auch Eigenkapitalerhöhungen oder Private Equity von Bedeutung.
Finanzkrise gefährdet Großaufträge und Wachstumsprojekte kaum
Knapp ein Viertel der Befragten aus IR-Abteilungen sieht für ihr Unternehmen die Finanzierung von Großaufträgen bzw. Wachstumsprojekten kaum gefährdet. Bei den IR-Agenturen ist man hinsichtlich der
Kunden skeptischer – 33 Prozent der Befragten aus IR-Agenturen gaben an, dass die Finanzierungsfähigkeit teilweise, und 25 Prozent sogar, dass sie stark beeinträchtigt sei.
Kaum Veränderung bei Refinanzierungskonditionen erwartet
Die Befragten aus IR-Abteilungen sehen wenig Risiken hinsichtlich der Verschlechterung von Fremdkapitalkosten oder Refinanzierungskonditionen in den nächsten sechs Monaten: 47 Prozent gaben an, kaum Veränderungen abzusehen, 8 Prozent erwarten leichte Verbesserungen und nur 2 Prozent deutliche Verbesserungen. Das Bild bei den Befragten aus IR-Agenturen sieht anders aus – hier werden eher leichte Verschlechterungen (44 Prozent) oder sogar deutliche Verschlechterungen (35 Prozent) erwartet.
Finanzierungsfähigkeit über die Börse eher schwierig
Die Finanzierungsfähigkeit über die Börse innerhalb der nächsten zwei Jahre wird eher skeptisch gesehen. Die Hälfte der IR-Abteilungen und ein Drittel der IR-Agenturen erwarten eine gleichbleibende Finanzierungsfähigkeit auf dem aktuellen, geringen Bedeutungsniveau. 34 Prozent der Befragten aus IR-Abteilungen und sogar 42 Prozent der Mitarbeiter aus IR-Agenturen erwarten eher eine sinkende Finanzierung über Börsengeschäfte. Besonders in mittelgroßen Unternehmen mit 200 bis 500 Mitarbeitern erwartet die Hälfte der Befragten sinkende Finanzierungsfähigkeiten über Aktien.
IR und PR im Unternehmen eng verzahnt
Integrierte Kommunikation wird in Unternehmen großgeschrieben: Mehr als drei Viertel der Befragten aus IR-Abteilungen geben an, IR und PR würden sehr eng oder eng im Sinne einer gemeinschaftlichen Kommunikationsstrategie zusammenarbeiten. IR-Agenturen sehen zu 56 Prozent eine (sehr) enge Verzahnung der IR- und PR-Strategien ihrer Kunden. Dadurch können die Verantwortlichen in beiden Bereichen, in denen es zahlreiche Berührungspunkte gibt, den internen Informationsfluss effektiv nutzen. Dies ist sinnvoll, da sowohl IR als auch PR bezwecken, Beziehungen zu verschiedenen Zielgruppen zu optimieren – dabei widmet sich die PR der Öffentlichkeit im Allgemeinen, die IR vornehmlich den Investoren. Durch die enge Zusammenarbeit können somit erfolgreich Synergieeffekte generiert werden.