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News / Presse
Das Rating - Uninteressant für Aktionäre?

GoingPublic (12/2006, Wolfratshausen)
Die Kommunikation und Kommentierung von extern vergebenen Ratings durch ein Unternehmen wird seit einiger Zeit intensiv diskutiert.


Wolfratshausen, 16. November 2006 – Unter dem Begriff „Creditor Relations“ sollten Ratingthemen gemeinsam mit den Investor Relations (IR) im Rahmen einer einheitlichen Kommunikation für Fremd- und Eigenkapitalgeber geliefert werden – so fordern Branchenexperten. Die IR-Praxis sieht jedoch noch anders aus. In deutschen Geschäftsberichten werden extern vergebene Unternehmensratings nur am Rande thematisiert.

Das Rating steht in Bezug zu Eigenkapital-/Aktionärsthemen

Vordergründig stehen Rating und Eigenkapital- bzw. Aktionärsthemen in keinem direkten Zusammenhang. Ein extern vergebenes Rating gibt die Risikoeinschätzung für die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens wieder und ist damit maßgebliche Entscheidungsgrundlage bei der Fremdkapitalvergabe. Die IR beschäftigen sich primär mit den Themen, die Aktionäre und andere Investoren zur Beurteilung des Unternehmeswertes benötigen – und der Geschäftsbericht eines Unternehmens ist eine der Hauptpublikationen im Rahmen der IR.

Warum Ratingberichterstattung im Geschäftsbericht?


Hier können drei wesentliche Gründe genannt werden:

    * Das Rating hat Einfluss auf den Unternehmenswert: Das Bonitätsurteil (Rating) bestimmt wesentlich die               Fremdkapitalkosten, deren Höhe wiederum den Unternehmenswert mit beeinflusst.

    * Das Rating ist stets präsent: Die Fremdkapitalfinanzierung von Unternehmen erfordert ein Rating – erstellt           entweder durch die Hausbank oder durch eine externe Ratingagentur (gerade bei der Kapitalmarktemission).

    * Die Ursache-Wirkung-Effekte zwischen Rating und Unternehmenswert sind vielen Investoren nicht geläufig:       Vielen Eigenkapitalgebern/Aktionären, vor allem Privataktionären, fehlt die Kenntnis über Auswirkungen z. B.         einer Ratingverschlechterung. Diese kann im konkreten Einzelfall für den Aktionär durchaus positiv beurteilt           werden, weil das Unternehmen freie Mittel nicht „bestandssichernd“ hält, sondern in weiteres Wachstum             investiert, und vice versa.

Bisher wird nur sehr spärlich kommuniziert

Im Rahmen der CAT-Studie 2006 zur Ratingberichterstattung wurden die Geschäftsberichte 2005 von insgesamt 115 großen börsennotierten und nicht-börsennotierten deutschen Unternehmen untersucht – und es hat sich gezeigt, dass über das Rating und die Bonität eher wenig und kurz berichtet wird.

Immerhin 59% der untersuchten, börsennotierten Unternehmen erwähnen in den Geschäftsberichten 2005 das Thema „eigenes Rating“ – der Umfang der Berichterstattung erreicht jedoch durchschnittlich noch nicht einmal eine halbe Seite. Dies obwohl die Geschäftsberichte immer umfangreicher werden: DAX-Unternehmen kommen im Durchschnitt auf stattliche 180 Seiten; MDAX-Unternehmen immerhin auf 136 Seiten.

Von den nicht börsennotierten Unternehmen, den so genannten Non-Publics, erwähnen nur 34% das Thema „eigenes Rating“. Der durchschnittliche Umfang der Ratingberichterstattung ist bei diesen Unternehmen nochmals deutlich geringer als bei börsennotierten Unternehmen. Ausnahme in dieser Gruppe von Unternehmen ist die Volkswagen Bank GmbH, die sehr ausführlich das eigene Rating kommentiert. Grundsätzlich gilt: Das externe Ratingurteil zum Unternehmen wird zumeist ohne weitergehende Kommentierung angegeben. Eine differenzierte Erläuterung zum eigenen Rating erfolgt nur sehr selten. Als positive Beispiele stechen die DaimlerChrysler AG, die Hannover Rückversicherung AG sowie die Volkswagen Bank GmbH hervor. Von den 115 untersuchten Unternehmen bieten 54 ihren Lesern ein Glossar im Geschäftsbericht an – allerdings erläutern nur 16 dieser Unternehmen im Glossar den Begriff „Rating“.

Gute Ratingberichterstattung ist Qualitätsargument

Gute Kommunikation erläutert klar und verständlich das Wesentliche und liefert bei Bedarf auch Hintergründe. Dies gilt auch für die Ratingberichterstattung. Details des Ratingprozesses und der Ratingvergabe sind daher im Rahmen der Investor Relations zumeist nicht von Interesse. Allerdings sollte das extern vergebene Ratingurteil dargestellt und aus Unternehmenssicht kurz, aber differenziert kommentiert werden. Der Umfang einer derartigen differenzierten Ratingberichterstattung beträgt mindestens eine Dreiviertelseite oder ca. 3.000 Zeichen. Die Berichterstattung erläutert dann auch kurz die Vor- und Nachteile, die das Rating für das Unternehmen mit sich bringt.

Ratingmaßnahmen, die das Unternehmen eventuell ergreift, um das Rating zu halten oder zu verbessern, werden ebenfalls kurz erläutert. Aus der Analyse der Geschäftsberichte ergaben sich folgende inhaltliche Empfehlungen:

    * Das „unternehmenseigene Rating“ wird als gesondertes Themengebiet im allgemeinen Teil oder im                          Lagebericht erläutert.

    * Lang- und kurzfristige Ratingurteile sowie das Rating des Vorjahres werden transparent in einer Tabelle               ausgewiesen.

    * Vergleiche zu historischen Ratings werden geliefert und eventuelle Veränderungen kommentiert.

    * Der Begriff Rating sowie der Ratingprozess werden, idealerweise im Glossar, kurz beschrieben.

    * Auch das eventuelle Fehlen eines Ratings, z. B. wegen gezielter Eigenkapitalfinanzierung, wird im                         Geschäftsbericht kurz kommuniziert und erläutert.

Positive Ratingkommunikatoren sind (noch) die Ausnahme

Bei den DAX-Unternehmen stechen insbesondere die DaimlerChrysler AG, die Deutsche Bank AG sowie die Deutsche Börse AG heraus. Gerade DaimlerChrysler hebt sich nochmals deutlich in der Berichterstattung ab – so werden z. B. auch die Veränderungen im Rating erläutert. Bei den MDAX-Unternehmen sind Umfang, Detaillierungsgrad und teilweise auch Qualität der Ratingkommentierung deutlich geringer. Positives Beispiel ist hier die Hannover Rückversicherung AG, die v. a. die Vor- und Nachteile des Ratings vorbildlich erläutert. Bei den Non-Publics sind Umfang und Detailgrad der Ratingberichterstattung im Durchschnitt nochmals deutlich geringer. Wegen einer starken inhaltlichen Beschäftigung mit dem Thema Rating, z. B. auch mit Erläuterungen zur Ratingeinschätzung, hebt sich die Volkswagen Bank GmbH
jedoch deutlich von anderen nicht-börsennotierten Unternehmen ab.

Fazit

Inwieweit eine sehr knappe, rein informative Darstellung des externen Unternehmensratings im Rahmen des Geschäftsberichts von Nachteil ist, lässt sich schwer nachweisen. Die möglichen Vorteile einer Erläuterung des Ratingthemas sollten jedoch den in aller Regel vertretbaren Aufwand zur Ratingkommentierung im Geschäftsbericht durchaus rechtfertigen. IR-Dienstleister haben umfangreiche Expertise in der investorengerechten Kommunikation und Ausformulierung von Ratingthemen und beraten die Unternehmenskunden praxisorientiert bei der Erarbeitung von entsprechenden Publikationen.

04 Dec 2006 CAT